JAHRESBERICHT 2020 | 2021

Effiziente Steuerung der ESG-Normenflut Stärker denn je ist heute die internationale wie natio- nale Politik durch vielfältige Initiativen geprägt, die das Ziel verfolgen, das Wirtschaftsleben nachhaltiger zu gestalten. Denn in vielen Ländern der Welt hat sich über die vergangenen Jahre ein spürbarer gesellschaftlicher Druck entwickelt, durch den sich insbesondere auch die Regierungen in zahlreichen europäischen Ländern dazu veranlasst sehen, die Transformation der Wirtschaft hin zu einer ökologisch und sozial nachhaltigen Wirtschaftsord - nung konsequent voranzutreiben. In diesen Zusammen- hang fallen beispielsweise die Nachhaltigkeitsstrategie für Deutschland und das jüngst von der Bundesregierung weiter verschärfte Klimaschutzgesetz. Neben den natio - nalen Gesetzesinitiativen der einzelnen EU-Staaten setzte auch die Europäische Kommission mit der Vorstellung ihres Green Deal ein starkes Zeichen für Klimaschutz und Nachhaltigkeit in Europa. Die Kommission hat Mitte 2021 eine Reihe weiterer Maß - nahmen verabschiedet, um sich noch ambitionierter für ein nachhaltiges Finanzwesen einzusetzen. Dazu zählen mehrere Initiativen zur Bewältigung des Klimawandels und anderer ökologischer Herausforderungen. Gleich- zeitig sollen – unter stärkerer Einbeziehung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) – die Investitionen in den Übergang der EU zu einer nachhaltigen Wirtschaft gestei - gert werden. Mit dem Vorschlag für einen EU-Standard für grüne Anleihen soll ein qualitativ hochwertiger freiwilli- ger Standard für Anleihen zur Finanzierung nachhaltiger Investitionen geschaffen werden. Schließlich verabschie - dete die Kommission einen delegierten Rechtsakt über die Informationen zur Nachhaltigkeit der Tätigkeiten von Finanz- und Nicht-Finanzunternehmen, die von diesen auf der Grundlage von Artikel 8 der EU-Taxonomie, offen - gelegt werden müssen. Die überarbeitete EU-Strategie umfasst sechs Maßnahmenpakete: 1. Erweiterung des bestehenden Instrumentariums für ein nachhaltiges Finanzwesen, um den Zugang zu Finanzmitteln für den Übergang zu erleichtern. 2. Bessere Einbeziehung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sowie Verbrauchern mithilfe der richtigen Instrumente und Anreize für den Zugang zu Finanzmitteln für den Übergang. 3. Erhöhung der Widerstandsfähigkeit des Wirtschafts- und Finanzsystems gegenüber Tragfähigkeitsrisiken. 4. Steigerung des Beitrags des Finanzsektors zur Nach- haltigkeit. 5. Gewährleistung der Integrität des Finanzsystems der EU und Überwachung seines geordneten Übergangs zur Nachhaltigkeit. 6. Entwicklung internationaler Initiativen und Standards für ein nachhaltiges Finanzwesen und Unterstützung für die Partnerländer der EU. Mit dem delegierten Rechtsakt zur Ergänzung von Arti- kel 8 der Taxonomie-Verordnung müssen überdies Finanz- und Nicht-Finanzunternehmen Anlegern Informationen über die Umweltfreundlichkeit ihrer Vermögenswerte und wirtschaftlichen Tätigkeiten zur Verfügung stellen. Märkte und Investoren benötigen klare und vergleichbare Nach- haltigkeitsinformationen, um Grünfärberei zu verhindern. Deshalb legt die EU fest, welche Informationen über den der EU-Taxonomie entsprechenden Anteil ihrer Ge- schäfts-, Investitions- oder Anleihetätigkeit große Finanz- und Nicht-Finanzunternehmen nach welcher Methodik in welcher Form offenzulegen haben. Nicht-Finanzunternehmen werden den Anteil ihres Umsatzes sowie ihrer Investitions- und Betriebsausga- ben im Zusammenhang mit ökologisch nachhaltigen Wirtschaftstätigkeiten gemäß der Definition in der Taxonomie-Verordnung und dem am 4. Juni 2021 förmlich verabschiedeten delegierten Rechtsakt zur EU-Klima- taxonomie sowie künftigen delegierten Rechtsakten zu anderen Umweltzielen offenlegen müssen. Finanzinsti - MATTHIAS PORSCH Key Account Manager Abteilung Bankenaufsicht 23 VÖB- Service

RkJQdWJsaXNoZXIy MTM5Mjg=