JAHRESBERICHT 2020 | 2021

Reputationsrisiken imNachhaltigkeitsmanagement Reputationsrisiken gewinnen in einem stärker auf Nach- haltigkeit ausgerichteten Finanzmarkt zwangsläufig an Bedeutung. Wenn Unternehmen mögliche Nachhaltig- keitsrisiken nicht umfassend analysieren und in ihrer Risi- kosteuerung berücksichtigen, laufen sie Gefahr, Vertrauen und Glaubwürdigkeit zu verlieren. Im Fall von Reputationsverlusten können sich auch negative Auswirkungen auf den Marktwert des Unter- nehmens einstellen. Entsprechend können Reputations- gewinne den Marktwert positiv beeinflussen. Die durch Reputationsveränderungen ausgelösten Handlungen und Reaktionen sind vielfältig und lassen sich nur schwer quantifizieren. In der Anspruchsgruppe der Kunden können schlagend gewordene Reputationsrisiken etwa zu weniger Neugeschäft und zum Verlust von Bestandskun - den führen. Für Finanzinstitute drohen u. a. Reputationsschäden, wenn Stakeholder bestimmte Finanzierungsvorhaben oder Anlageobjekte öffentlichkeitswirksam als nicht nachhaltig kritisieren. Auch bei der Kapitalanlage gewinnt das frühzeitige Erkennen und Einordnen von Reputa- tionsrisiken an Bedeutung. Hauptgrund dafür ist, dass Nachhaltigkeitsfaktoren als zusätzlicher Risikofilter bei Investitionsentscheidungen fungieren. Die Flut an Nachhaltigkeitsnormen birgt überdies das Risiko der Non-Compliance, mit der Gefahr von Bußgeldern oder Schadenersatzansprüchen. VÖB-Service unterstützt seit über zehn Jahren Finanz - institute mit externen Daten bei der Identifikation und Bewertung von operationellen Risiken. Deshalb hat sich ein Team der Abteilung Non-Financial Risk Anfang 2020 mit der Identifikation von operationellen Schadenfällen mit Nachhaltigkeitsaspekten auseinandergesetzt. Die über 3.000 Fälle in der Schadenfallsammlung ÖffSchOR – Öffentliche Schadenfälle OpRisk – wurden einer Risiko - inventur unterzogen. Dabei wurde nach Schadenfällen gesucht, die aus einem Verstoß gegen bankrelevante Nachhaltigkeitsziele resultieren. 1 Im Fokus der Aufmerk- samkeit stehen aktuell insbesondere Umweltziele. Die BaFin nennt darüber hinaus auch Nachhaltigkeitsziele für Soziales und Unternehmensführung. Auffällig ist, dass der Anteil der Schadenfälle mit Nach - haltigkeitsrisiko gemessen an der Zahl der Fälle doppelt so hoch ist wie ihr Anteil an der Schadensumme. Das liegt u. a. daran, dass überdurchschnittlich viele Nachhaltig- keitsfälle in ÖffSchOR als primäres Reputationsrisiko oder als Risikoszenario ohne Schadensumme aufgenommen sind. Das ist ein Hinweis darauf, dass mit Nachhaltigkeits- risiken verstärkt Reputationsrisiken einhergehen. Die teuersten Schadenfälle mit Nachhaltigkeitsaspek- ten stammen bislang aus Schäden durch Bestechung und Korruption. In Europa fielen in den letzten Jahren auch hohe Schadensummen für Datenschutzverstöße an, hier schlagen insbesondere Bußgelder ins Kontor. 1 Bankrelevante Nachhaltigkeitsziele siehe BaFin-Merkblatt zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken vom 13. Januar 2020, S. 13 bankensoftware beratung academy informationsdienste 7,8 % der Schadenfälle 3,8 % der Schadensumme 250 Schadenfälle mit Nachhaltigkeitsrisiko 3.222 Schadenfälle insgesamt Quelle: ÖffSchOR, Stand 24. Juni 2021 SCHADENFÄLLE IN ÖffSch OR MIT NACHHALTIGKEITSRISIKO PETRA LUDWIG Referentin Abteilung Non-Financial Risk 20 VÖB- Service

RkJQdWJsaXNoZXIy MTM5Mjg=