JAHRESBERICHT 2022 | 2023

12 VÖB-Service Resilienz – drei Megatrends im Stresstest ESG, Digitalisierung und Regulierung Was ist Resilienz? Resilienz ist die Fähigkeit, mit Herausforderungen, Belastungen und Veränderungen umzugehen und sich agil – also fl ink und fl exibel – an neue Bedingungen anzupassen. Ein resilient trainiertes System, sei es Mensch, Material oder Unternehmen, zeichnet sich durch das innere Vermögen aus, auf Störungen, Krisen oder Schockmomente vorbereitet zu sein, diese per Monitoring vorherzusehen, zu bewältigen und sich danach erfolgreich zu erholen. Dabei gilt ein „bounce back”, ein Zurückfedern in den Status quo vor dem Krisenereignis und die Vermeidung von Kaskadeneff ekten, bereits als solider Erfolg. Material, Ökologie und Psychologie Aus den Materialwissenschaft en kennen wir hochelastische Memory-Metalle oder Formgedächtnis-Legierungen, die nach Verformungen ihre ursprüngliche Form wieder annehmen. Die Fauna hält das Paradebeispiel für „bounce back” parat: die Vogelfeder. Ultraleicht und flexibel, pflegeleicht, multifunktional in Luft und Wasser, krisenfest per eingebauter Fallback-Lösung mitsamt Reparaturprogramm durch einfache Gefi ederpflege. Die Psychologie arbeitet mit Sieben-Säulen-Modellen (z. B. nach Dr. Wiebel: Akzeptanz, Bindung, Lösungsorientierung, gesunder Optimismus, Selbstwahrnehmung, Selbstreflexion und Selbstwirksamkeit), um die Entwicklung, Nutzung und den Zugang zu den Potenzialen zu ermöglichen, die Menschen dazu befähigen, Niederlagen, Stressoren und Schicksalsschläge besser zu meistern. (Quelle: resilienz.wiki | Sebastian Mauritz) Bounce Forward „Resiliente Organisationen und Systeme haben gemeinsam, dass sie Wert auf Redundanzen legen, über breit gestreute Ressourcen verfügen, sich selbst organisieren können, auch mit unvorhergesehenen Ereignissen rechnen, sich auf die eigenen Fähigkeiten und Stärken fokussieren und fl exibel in ihren Prozessen sind“, fasst Florian Roth, Innovations- und Resilienzforscher am Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung ISI in Karlsruhe, zusammen. Dabei komme es darauf an, nicht einfach wie im Wortsinn (lateinisch: resilire) an einer Widrigkeit „abzuprallen“ und in den ursprünglichen Zustand „zurückzuspringen“. „Wenn wir die Widerstandsfähigkeit unseres Systems stärken wollen, müssen wir die Dynamik nutzen und den Sprung nach vorne wagen.“ „Bounce forward“ nennt das Roth (Quelle: Fraunhofer. Das Magazin 2.20) „Dabei bedeutet eine Erhöhung der Resilienz keineswegs notwendigerweise eine Einbuße an Eff izienz. Kluge Investitionen in die Stärkung systemischer Resilienz [Stichwort Preparedness / Mitigation] können langfristig sogar zu einer Eff izienzsteigerung, aus wirtschaft licher Sicht gar zu Standortvorteilen gegenüber Wettbewerbern beitragen.” Erst unter Stress zeigt sich die Resilienzfähigkeit eines Menschen oder Unternehmens. Wer seine Kernfähigkeiten holistisch und innovativ stärkt, wird aus einem Schockereignis mit einer transformierten Identität und geschärft en ESG-Kriterien herausgehen. Dabei gilt es, den zentralen Transformationsprozess Digitalisierung sowie Regulierung – mit Methodenkompetenz einerseits und Technologie, Branchen- bzw. Domänenkompetenz andererseits – als sozio-technisches System zu gestalten. (Quelle: Resilienz-Fraunhofer-Konzept)

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